Gundermann mit lila-blauen Lippenblüten und runden, gekerbten Blättern auf einer Wiese im Mai

Diese Pflanze mit den lila Blüten kriecht jetzt durch jeden Garten und ist kein Unkraut

Sie wuchert über Wiesen, Gartenränder und Wegböschungen, bildet dichte Teppiche aus runden Blättern und kleinen violetten Blüten und die meisten Gärtner reißen sie aus. Dabei ist der Gundermann eines der vielseitigsten Wildkräuter, die du gerade jetzt im Mai sammeln kannst: würzig, heilkräftig und seit über 2000 Jahren in Gebrauch. Wer im Frühjahr durchs Gras streift und plötzlich diesen würzig-aromatischen Duft in der Nase hat, ein bisschen wie eine Mischung aus Minze, Salbei und Thymian, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade über Gundermann gelaufen. Die kleine, kriechende Pflanze gehört zu den ältesten Heilkräutern Mitteleuropas und stand schon bei den Germanen in hohen Ehren. Heute wird sie meistens als Unkraut bekämpft. Zu Unrecht.

Warum gerade jetzt? Die beste Zeit für Gundermann

Gundermann (botanisch Glechoma hederacea) ist eigentlich das ganze Jahr über zu finden, aber im Mai zeigt er sich von seiner besten Seite. Die Pflanze blüht jetzt in voller Pracht, die Blätter sind frisch, zart und besonders aromatisch, und die kleinen, violett-blauen Lippenblüten machen ihn unverwechselbar. Möchtest du unsere besten Artikel rund um Kräuter, Garten und gesunde Ernährung direkt auf dein Smartphone erhalten? Dann tritt jetzt unserem WhatsApp Kanal „Kräuterkeller“ bei (einfach hier klicken). Dort teilen wir regelmäßig saisonale Tipps, neue Beiträge und praktische Anleitungen, kompakt und passend zur Jahreszeit.

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Mit Wildkräutern und Heilpflanzen durchs ganze Jahr

Im Hochsommer wird der Gundermann zwar nicht giftig, im Gegenteil, er bleibt essbar, aber sein Aroma wird strenger und herber. Wer das volle, balsamisch-würzige Aroma möchte, sammelt jetzt: in den nächsten drei bis vier Wochen, solange die Pflanze blüht.

Wann man welches Wildkraut sammeln kann

Im Frühling gibt es jeden Tag mehr frische Wildkräuter. Vor allem Bärlauch, Spitzwegerich, Löwenzahn, GänseblümchenGiersch, Vogelmiere und Brennnessel, behaartes Schaumkraut oder Knoblauchsrauke findet man schon reichlich und kann damit tolle Wildkräutergerichte machen. Damit ihr auf einen Blick seht, was zu sammeln ist, sind die Wildpflanzen, die man im jeweiligen Monat besonders häufig findet, in unserem Saisonkalender für Wildkräuter abgedruckt (hier erhältlich). Auf dem Kalenderblatt besonders groß gedruckt und mit einem Erdhügel gekennzeichnet, sind die Pflanzen, die es diesen Monat am häufigsten gibt. Der Saisonkalender hängt schon bei so vielen von euch. Das bedeutet uns unglaublich viel. Danke, dass ihr unsere Arbeit so schätzt und wir gemeinsam die Wildkräuter wieder bekannter machen können. Den Kalender bekommt ihr in unserem Shop unter www.die-moderne-Kräuterhexe.de

Saisonkalender für Wildkräuter

So erkennst du den Gundermann sicher

Der Gundermann ist eines der am leichtesten zu bestimmenden Wildkräuter – wenn man weiß, worauf man achten muss:

  • Blätter: Rund bis nierenförmig, am Rand grob gekerbt, gegenständig am Stängel angeordnet. Etwas behaart, dunkelgrün, oft mit leicht rötlichem Schimmer am Rand.
  • Blüten: Klein, violett-blau bis hellpurpur, typische Lippenblüten, die in Quirlen in den Blattachseln sitzen – meist 2 bis 3 Blüten pro Quirl.
  • Wuchs: Kriechend, bildet lange Ausläufer, die an den Knoten Wurzeln schlagen. So entstehen oft dichte Teppiche.
  • Stängel: Vierkantig (typisch für Lippenblütler) und behaart.
  • Der Duft-Test: Das wichtigste Erkennungsmerkmal. Reibe ein Blatt zwischen den Fingern. Es duftet kräftig würzig, leicht harzig, ein bisschen bitter, mit minzigen Anklängen. Sehr charakteristisch.
  • Standort: Halbschattig bis sonnig, gerne an Wiesenrändern, in lichten Wäldern, auf Streuobstwiesen, in Gärten und auf Friedhöfen.
Gundermann mit Blüte

Wichtige Verwechslungsmöglichkeit: Der Kriechende Günsel (Ajuga reptans) sieht dem Gundermann ähnlich, denn er hat ebenfalls violette Lippenblüten und kriechenden Wuchs. Allerdings sind seine Blätter länglich-oval (nicht rund), die Blüten stehen in dichten, aufrechten Ähren (nicht in lockeren Quirlen), und der Geruch fehlt fast komplett. Der Günsel ist nicht giftig, aber sehr bitter und kulinarisch unbrauchbar: der Duft-Test entscheidet.

Ein Heilkraut mit Geschichte: 2000 Jahre Tradition

Der Gundermann ist eine der wenigen Pflanzen, die quer durch die europäische Heilkunde immer wieder auftaucht – von den Germanen über Hildegard von Bingen bis zur modernen Phytotherapie. Sein Name verrät die Bedeutung: „Gund“ ist ein altgermanisches Wort für Eiter und Wundbrand. Gundermann war jahrhundertelang die wichtigste Wundheilpflanze der einfachen Leute. In der Volksheilkunde wurde er bei den unterschiedlichsten Beschwerden eingesetzt: bei chronischem Husten und schleimigen Atemwegsbeschwerden, bei Magen-Darm-Problemen, bei schlecht heilenden Wunden, bei Kopfschmerzen und sogar bei Bleivergiftungen – die Bergleute des Mittelalters tranken Gundermanntee als Schutzmittel.

So profitierst du das ganze Jahr von Wildkräutern

Der Gundermann ist nur eines von vielen Wildkräutern, die fast überall wachsen. Die Natur schenkt uns so viele essbare Wildpflanzen, doch wie nutzt man sie richtig? Genau darum geht es in unserem Buch Mit Wildkräutern und Heilpflanzen durchs ganze Jahr (hier erhältlich). In unserem Buch zeigen wir dir, wie du über das ganze Jahr hinweg Wildkräuter sammelst, die auch wirklich hierzulande reichlich zu finden sind, um dauerhaft davon zu profitieren – egal ob für die Küche oder die Hausapotheke.

Wildkräuter und Heilpflanzen erkennen

Was steckt drin? Die Inhaltsstoffe

Der Gundermann ist ein kleines biochemisches Kraftwerk. Er enthält ätherische Öle (verantwortlich für den charakteristischen Duft), BitterstoffeGerbstoffeSaponineFlavonoideVitamin C sowie verschiedene Mineralstoffe wie Kalium und Eisen. Diese Mischung erklärt sein traditionelles Wirkspektrum: schleimlösend bei Husten, leicht entzündungshemmend, verdauungsfördernd, wundheilend bei äußerlicher Anwendung und allgemein stoffwechselanregend. Die Bitterstoffe machen ihn zu einem milden Frühjahrskur-Kraut. Wichtiger Hinweis zur Dosierung: Gundermann enthält geringe Mengen leicht giftiger Verbindungen, die in normalen Küchenmengen völlig unbedenklich sind. Wer ihn aber wochenlang in großen Mengen konsumiert oder hochkonzentrierte Auszüge selbst herstellt, sollte vorsichtig sein. Für Pferde ist Gundermann übrigens giftig, ein wichtiger Hinweis für alle, die Tiere halten. Für den Menschen gilt: in Maßen genossen ein wertvolles Wildkraut, kein Problem.

Blühender Gundermann im Garten

Sammeln – die wichtigsten Regeln

Beim Gundermann ist das Sammeln entspannt: Er wächst in Massen, gilt vielen Gärtnern als lästiges Unkraut und ist nirgendwo geschützt. Trotzdem gelten die üblichen Grundregeln:

  • Saubere Standorte wählen – nicht direkt an Straßen, nicht in Hundepiesel-Zonen, nicht auf gespritzten Wiesen
  • Nur die jungen, oberen Triebspitzen mit Blättern und Blüten ernten – die Pflanze treibt schnell wieder aus
  • Naturschutzgebiete sind tabu
  • Frisch verarbeiten oder direkt trocknen – die Blätter welken schnell und verlieren ätherische Öle
  • Sparsam dosieren beim Kochen – der Geschmack ist intensiv. Eine kleine Handvoll reicht für eine ganze Suppe für vier Personen

Eine Faustregel: Was du in fünf Minuten an einem Wegrand zusammensammeln kannst, reicht meistens schon für ein ganzes Rezept.

Die besten Verwendungen: Vom Würzkraut bis zur Hausapotheke

Gundermann-Tee bei Husten und Erkältung – ein Teelöffel getrocknetes oder zwei Teelöffel frisches Kraut mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, 8 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Bei festsitzendem Husten und schleimigen Atemwegsbeschwerden zwei bis drei Tassen täglich.

Wildkräuter-Würze für Suppen und Saucen – fein gehackt schmeckt der Gundermann ähnlich wie eine Mischung aus Salbei und Thymian. Perfekt zu Kartoffelsuppen, Pilzgerichten oder Gemüsebrühen. Erst gegen Ende der Garzeit zugeben.

Gründonnerstags-Suppe – traditionell gehört der Gundermann zu den „neun Kräutern“, die in vielen Regionen am Gründonnerstag in einer Wildkräutersuppe gegessen wurden. Zusammen mit Brennnessel, Giersch, Löwenzahn, Schafgarbe und anderen Frühlingskräutern.

Frischkäse oder Kräuterquark – ganz fein gehackt unter Quark oder Frischkäse mischen. Ein paar Blätter reichen schon. Schmeckt würzig-aromatisch, ungewöhnlich und überraschend gut zu Pellkartoffeln oder auf Bauernbrot.

Gundermann-Schokolade – ein Geheimtipp aus der Wildkräuterküche: Geschmolzene Zartbitterschokolade über frische Gundermann-Blätter gießen, erkalten lassen. Die Bitterkeit der Schokolade und das harzig-würzige Aroma der Blätter ergeben eine fast schon orientalisch wirkende Pralinen-Variante.

Gundermann-Pesto – mit Olivenöl, Walnüssen, Parmesan und etwas Zitrone zu einem ungewöhnlichen, würzigen Pesto verarbeiten. Sparsam dosieren – der Gundermann ist deutlich intensiver als Bärlauch oder Knoblauchsrauke.

Wundauflage – traditionelle Anwendung: Frische, gewaschene Blätter zerdrücken und auf kleine, oberflächliche Wunden, Insektenstiche oder Schürfwunden auflegen. Wirkt mild antiseptisch und juckreizlindernd.

Blüte des Gundermanns

Schnellrezept: Gundermann-Kräuterbutter

Zutaten:

  • 250 g weiche Butter
  • 1 kleine Handvoll junge Gundermann-Blättchen mit Blüten (etwa 2 EL fein gehackt)
  • 1 EL frische Petersilie, fein gehackt
  • 1 TL Zitronensaft
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack

Zubereitung: Gundermann gut waschen, trocken tupfen, sehr fein hacken. Mit der weichen Butter, Petersilie, Zitronensaft, Salz und Pfeffer cremig verrühren. In Frischhaltefolie zu einer Rolle formen, im Kühlschrank fest werden lassen. Schmeckt zu Steak, Ofengemüse, frischem Brot oder einfach auf einer warmen Pellkartoffel. Hält im Kühlschrank etwa eine Woche, eingefroren mehrere Monate.

Das vergessene Heilkraut, das überall wächst

Während Bärlauch im Frühjahr ganze Wälder leer geräumt werden und Brennnessel inzwischen Smoothie-Trend ist, kriecht der Gundermann seit Jahrtausenden unbeachtet durchs Gras. Dabei steckt in jeder kleinen, violett blühenden Pflanze die geballte Erfahrung aus 2000 Jahren europäischer Heilkunde – und ein Aroma, das in keinem anderen Wildkraut zu finden ist. Die nächsten Wochen sind die beste Zeit, ihn kennenzulernen. Reib ein Blatt zwischen den Fingern, riech an dem würzig-balsamischen Duft, probiere ein winziges Stück. Wer einmal verstanden hat, wie vielseitig dieses kleine Kraut ist, sieht den eigenen Garten oder Gartenrand mit anderen Augen. Was bisher Unkraut war, ist plötzlich Apotheke und Gewürzregal in einem.

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