Februar fühlt sich oft noch wie Winter an, aber draußen läuft längst die Frühstart-Saison der Wildkräuter. Genau jetzt wachsen Pflanzen, die viele als „Unkraut“ abtun, dabei sind sie frisch, zart und sofort nutzbar. Wenn du heute nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Schau im Garten und am Wegrand nach dem niedrigen Grün – nicht nach großen Blüten. Und jetzt zur „Pflanze, die alle wegmachen“: Vogelmiere. Sie wächst teppichartig, sieht harmlos aus und wird trotzdem massenhaft ausgerissen, obwohl sie essbar ist und in vielen Gärten ganz von allein da ist.
60-Sekunden-Check: So sammelst du Wildkräuter im Februar sicher
Bevor du loszupfst, einmal kurz diese Regeln – sie sparen dir 90% der Fehler:
- Nur kleine Mengen sammeln: In Deutschland erlaubt §39 (3) BNatSchG das Entnehmen wild wachsender Pflanzen in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf – an Orten ohne Betretungsverbot.
- Standort checken: Nicht an stark befahrenen Straßen, nicht an Hundestrecken, nicht auf offensichtlich behandelten Flächen.
- Nur 100% sicher bestimmen: Bei Unsicherheit gilt: stehen lassen.
- Erst testen, dann steigern: Gerade bei Allergien/empfindlichem Magen.
- Pfleglich ernten: Nicht ausreißen, lieber schneiden/abzupfen, damit der Bestand sich erholt.
1. Vogelmiere – das Februar-Supergrün, das du essen statt jäten kannst
Warum sie so beliebt ist: Weil fast jeder sie schon im Beet hatte und kaum jemand weiß, wie vielseitig sie ist.
So erkennst du Vogelmiere (Stellaria media):
- wächst oft als dichter Teppich in Beeten, Rasenrändern, Töpfen
- kleine, zarte Blätter, feine Stängel
- winzige weiße Sternblüten (sehen „mehrblättrig“ aus)
So nutzt du sie sofort:
- roh als Salatbasis (mild, frisch)
- fein geschnitten aufs Brot, in Kräuterquark oder in eine Suppe ganz am Ende einrühren
Tipp: Nimm die oberen, jungen Triebe, die sind am zartesten.

2. Behaartes Schaumkraut – die Kresse, die einfach von selbst im Garten auftaucht
Wenn im Februar plötzlich kleine Rosetten mit feinen Stängeln und winzigen weißen Blüten erscheinen, ist es häufig behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta). Es ist weit verbreitet und schmeckt kresseartig, würzig.
Erkennungsmerkmale:
- kleine Rosette, später dünne Stängel
- zarte weiße Blüten
- beim Essen: kresse-scharf (nicht jeder mag’s pur)
So verwendest du es:
- wie Kresse über Rührei/Kartoffeln
- in Kräuterdip oder Quark
- als schnelles Pesto (Rezept unten)
3. Gänseblümchen – die unterschätzte Blüte, die jetzt schon wieder da ist
Gänseblümchen (Bellis perennis) sind die perfekte „Einsteiger-Pflanze“, weil die Bestimmung leicht ist. Essbar sind Blätter, Blüten, Stängel und Knospen, am beliebtesten sind junge Knospen/halb offene Blüten.
So macht’s Spaß:
- Blüten über Salat streuen
- Knospen klein hacken und in Kräuterbutter drücken
- als Deko auf Brot/Frischkäse (sieht sofort nach „Wow“ aus)
Mit Wildkräutern und Heilpflanzen durchs ganze Jahr
Wir erklären seit vielen Jahren die Welt der Wildkräuter einfach und verständlich und möchten mit umsetzbaren und schnellen Rezepten dazu beitragen, dass Wildkräuter wieder mehr Bedeutung haben. Als Einstieg in die Welt der wilden Kräuter haben wir den Ratgeber „Mit Wildkräutern und Heilpflanzen durchs ganze Jahr“ (hier erhältlich) geschrieben. Hier ist natürlich auch die Vogelmiere enthalten. Das Buch ist nicht irgendein Kräuterbuch, sondern es verbindet hilfreiches Wissen über mehr als 50 heimische Wildpflanzen, die man auch wirklich bei uns finden kann mit Tipps zum Einsatz in der Hexenküche und in der Hausapotheke. Es liefert aber auch einen Einblick in unsere Arbeit, wir haben viele Bilder aus unserem Garten mit im Buch und möchten euch mit unseren vielen selbst gemachten Bildern echte Erfahrungen vermitteln. Das Buch gibt es exklusiv in unserem eigenen Kräuterhexenshop unter www.die-moderne-Kräuterhexe.de Wir haben keine Unterstützung eines Verlages, deswegen könnt ihr es nur bei uns bestellen.

4. Löwenzahn-Rosetten – jetzt zart, später deutlich bitterer
Im Februar findest du häufig junge Löwenzahn-Rosetten. Viele mögen sie gerade im frühen Jahr lieber, weil junge Blätter oft weniger herb wirken als spätere, ältere Blätter.
So nutzt du Löwenzahn smart (ohne Bitter-Schock):
- nur junge Blätter nehmen
- fein schneiden und mit Apfel + Öl + Prise Salz mischen
- oder in Smoothie/Salat untermischen (nicht nur pur)

5. Haselkätzchen – ja, aber mit Maß (und Respekt)
Hasel ist jetzt im Spätwinter ein echtes Gesprächsthema und das zu Recht: Viele fragen sich, ob man überhaupt Haselkätzchen sammeln darf. Entscheidend ist wieder: geringe Mengen für den persönlichen Bedarf, pfleglich und nicht im Naturschutzgebiet. Praktische Faustregel: Nimm so wenig, dass du es nicht „siehst, wenn du weggehst“. Und lass genug für Natur & Insekten.
6. Bärlauch – Ende Februar schon gesucht, aber (meist) noch nicht überall da
Viele googeln Bärlauch schon jetzt, die eigentliche Saison liegt häufig ab Anfang März bis etwa Mitte Mai. Wichtig: Verwechslungsgefahr (z. B. mit Maiglöckchen/Herbstzeitlose). Sammle nur, wenn du ihn absolut sicher erkennst.
Wissenswertes zum Bärlauch in unserem Taschenbuch
In unserem kleinen Taschenbuch „Der Bärlauch – wilder Genuss“ (hier erhältlich) haben wir alles Wissenswerte zum Bärlauch zusammengefasst. Wie sammelt man ihn, mit welchen Pflanzen kann man ihn verwechseln und wie kann man ihn im Garten selbst anbauen. Diese und weitere Themen rund um den Bärlauch in Kombination mit unseren besten Rezepten zu dieser tollen Wildpflanze findest du in unserem kompakten Taschenbuch (ideal für den Rucksack). Erhältlich in unserem eigenen Kräuterhexenshop unter www.die-moderne-Kräuterhexe.de

3 schnelle Februar-Rezepte, die wirklich jeder nachmacht
1. 2-Minuten-Wildkräuterbrot
Frischkäse/Quark + Vogelmiere + bisschen Schaumkraut + Salz → auf Brot. Fertig.
2. 5-Minuten-Schaumkraut-Pesto
Schaumkraut + Öl + Nüsse/Samen + Salz (optional Knoblauch) → mixen.
Tipp: Erst wenig Schaumkraut, dann nach Geschmack schärfer machen.
3. „Winter-Salat mit Wildkräutern“
Normaler Salat + Gänseblümchenblüten + ein paar Löwenzahnblätter oben drauf – sieht sofort nach Frühlingsküche aus.
Wenn du heute nur eine Pflanze sammelst, fang mit Vogelmiere an
Vogelmiere ist genau das Wildkraut, das im Februar überall auftaucht, schnell zu erkennen ist und sofort in die Küche kann – und deshalb wird es so oft weg gejätet, obwohl es ein Geschenk ist. Jetzt du: Geh einmal kurz raus, schau auf Bodenhöhe und mach ein Foto von dem Grün, das du findest. Speichern, wiederfinden, beim nächsten Spaziergang vergleichen. Das ist der schnellste Weg, in wenigen Tagen sicherer zu werden.
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