Sie wachsen dort, wo kaum jemand hinsieht: am Wegesrand, auf Wiesen, an Böschungen oder mitten im Garten. Viele halten sie für „Unkraut“, dabei gehören sie zu den robustesten Wildpflanzen Deutschlands. Diese Pflanzen überstehen Frost, Hitze, Trittbelastung und nährstoffarme Böden und sie haben eines gemeinsam: Der Mensch nutzt sie seit Jahrtausenden. Archäologische Funde, antike Schriften und mittelalterliche Kräuterbücher zeigen, dass genau diese Wildpflanzen über Generationen hinweg als Nahrung, Heilpflanzen und Alltagsressource dienten. Heute erleben sie eine neue Wertschätzung, weil sie regional, genügsam und erstaunlich vielseitig sind.
Brennnessel – eine der ältesten Nutzpflanzen Europas
Die Brennnessel ist eine der widerstandsfähigsten Wildpflanzen überhaupt. Sie wächst mehrjährig, treibt nach jedem Schnitt neu aus und gedeiht besonders gut auf nährstoffreichen Böden. Man findet sie an Waldrändern, Bachufern, Zäunen, in Gärten oder rund um Kompostplätze. Genutzt werden vor allem die jungen Triebspitzen, die sich gekocht wie Spinat verwenden lassen – etwa für Suppen, Aufläufe oder Pesto. Darüber hinaus spielte die Brennnessel historisch eine bedeutende Rolle als Faserpflanze. Archäologische Untersuchungen belegen, dass Brennnesselfasern bereits in der Bronzezeit für Textilien und Schnüre genutzt wurden. Sie zählt damit zu den ältesten vielseitig verwendeten Wildpflanzen Mitteleuropas.

Giersch – der hartnäckige Klassiker aus Garten und Waldsaum
Giersch gilt vielen als Problemkraut, ist botanisch aber ein Paradebeispiel für Anpassungsfähigkeit. Er vermehrt sich über unterirdische Rhizome, wächst im Schatten wie in der Sonne und kommt selbst nach intensivem Entfernen zuverlässig zurück. Typische Fundorte sind Gärten, Hecken, Waldränder und feuchte, nährstoffreiche Böden. Kulinarisch genutzt werden die jungen Blätter vor der Blüte. Sie schmecken mild-aromatisch und eignen sich fein gehackt für Pesto, Suppen oder Kräuterquark. Schriftliche Quellen zeigen, dass Giersch bereits in der Antike bekannt war und im Mittelalter gezielt in Klostergärten angebaut wurde. Da Geschmack und Bekömmlichkeit stark vom Erntezeitpunkt abhängen, ist ein genauer Blick auf die Saison entscheidend. Genau dafür wurde der Saisonkalender für Wildkräuter (hier erhältlich) entwickelt, der übersichtlich zeigt, wann welche Wildpflanze ideal gesammelt wird.

Löwenzahn – überall präsent und seit Jahrhunderten geschätzt
Der Löwenzahn ist aus der mitteleuropäischen Landschaft kaum wegzudenken. Seine tiefe Pfahlwurzel macht ihn extrem widerstandsfähig gegen Trockenheit und Bodenverdichtung. Er wächst auf Wiesen, Rasenflächen, Weiden, Böschungen und in Parks. Verwendet werden die jungen Blätter als Salat, die Blüten für Sirup oder Gelee sowie die Wurzeln, die traditionell geröstet wurden. Schriftliche Belege für seine Nutzung reichen mindestens bis ins 11. Jahrhundert zurück, zunächst im arabischen Raum, später auch in europäischen Kräuterbüchern der frühen Neuzeit. Bis heute gilt der Löwenzahn als klassische Frühlingspflanze, die den Übergang vom Winter ins neue Vegetationsjahr markiert. Wer heimische Wildkräuter besser kennenlernen möchte, findet im Buch „Mit Wildkräutern und Heilpflanzen durchs ganze Jahr“ (hier erhältlich), heimische Pflanzen genau beschrieben, aber auch viel Wissen, das die saisonale Verwendung traditioneller Wildpflanzen praxisnah erklärt.

Spitzwegerich – trittfest, unscheinbar und historisch gut dokumentiert
Der Spitzwegerich wächst als flache Rosettenpflanze und ist dadurch besonders trittfest. Selbst stark begangene Wege oder Weideränder machen ihm wenig aus. Man findet ihn auf Wiesen, an Straßenrändern, Dämmen und lichten Grasflächen. Die jungen Blätter lassen sich fein geschnitten in Kräutermischungen integrieren, die Samen quellen leicht und wurden traditionell ebenfalls genutzt. Bereits im 1. Jahrhundert nach Christus beschrieben antike Autoren wie Dioskurides und Plinius den Spitzwegerich, was ihn zu einer der frühesten schriftlich belegten Wildpflanzen Europas macht.

Weißer Gänsefuß – das vergessene Wildgemüse der Frühzeit
Der Weiße Gänsefuß wächst schnell, keimt zuverlässig und besiedelt bevorzugt gestörte Böden. Typische Standorte sind Äcker, Gärten, Baustellenränder und nährstoffreiche Flächen. Lange galt er als klassisches Wildgemüse, bevor er in Vergessenheit geriet. Die jungen Blätter wurden gekocht wie Spinat verwendet, die Samen als frühes Pseudogetreide genutzt. Archäobotanische Funde belegen seine Verwendung bereits im Neolithikum – also vor mehreren tausend Jahren. Damit gehört der Weiße Gänsefuß zu den ältesten nachweislich genutzten Wildpflanzen in Mitteleuropa.

Warum dieses Wissen heute wieder wichtig ist
Diese fünf Wildpflanzen zeigen eindrucksvoll, wie eng Mensch und Natur über Jahrtausende verbunden waren – und es immer noch sind. Sie wachsen ohne Pflege, passen sich wechselnden Bedingungen an und liefern dennoch Nahrung und wertvolle Inhaltsstoffe. Genau dieses Wissen greift das Kräuterkeller Wildkräutermagazin (hier erhältlich) auf. Jede Ausgabe – unabhängig von der Jahreszeit – widmet sich aktuellen essbaren Wildpflanzen, zeigt praxistaugliche Rezepte für Küche und Hausapotheke und verbindet traditionelles Kräuterwissen mit moderner Anwendung.

Auch jetzt im Januar sind die robusten Wildpflanzen da, selbst wenn man sie nicht sieht
All diese Pflanzen überstehen Schnee und Frost problemlos, denn sie haben Strategien entwickelt, wie sie in jeder Jahreszeit zurecht kommen, um ihr überleben zu sichern. Die robustesten Wildpflanzen Deutschlands sind keine Randerscheinung, sie sind lebendige Zeugnisse unserer Kulturgeschichte. Wer sie erkennt und versteht, gewinnt nicht nur essbare Vielfalt, sondern auch ein tiefes Stück regionales Naturwissen zurück.
Entdecke die Welt der Fossilien
Wer sich, so wie wir, lange und intensiv mit traditionellen Wildpflanzen beschäftigt, stößt irgendwann auf eine weitere, fast philosophische Dimension: den Blick zurück in die Geschichte des Lebens. Viele der Pflanzen, über die wir schreiben, sind keine zufälligen Begleiter der Menschheit, sondern Ergebnis jahrmillionenlanger Entwicklungslinien. Manche tragen Stoffe in sich, die sogar an geologische Prozesse erinnern, etwa Kieselsäure, jenes Mineral, das Pflanzengewebe versteinern kann und Fossilien überhaupt erst möglich macht. Aus dieser Faszination für das Alte, Dauerhafte und Erdverbundene ist ein neues Herzensprojekt gewachsen: „Der Kurator“. Dort richten wir unseren Fokus auf ein anderes Naturerbe: echte Fossilien, Fundstücke, die wortwörtlich aus den Tiefen der Erdschichten zu uns kommen. Es sind Überreste aus Welten, die lange vor uns existierten: ein Pterosaurier-Zahn, ein Knochenfragment eines Tyrannosaurus rex (hier erhältlich) oder Teile urzeitlicher Schädelstrukturen, oft über 66 Millionen Jahre alt. Nutze jetzt den Rabattcode „fossilien5“ und spare 5% auf alle Fossilien im Shop unter www.der-Kurator.de

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